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Liebe Leserinnen und Leser,
Hiob, inmitten seines tiefen Leids, findet kraftvolle Worte, um seine Qual zu beschreiben: „Wenn man doch meinen Kummer wägen und mein Leiden zugleich auf die Waage legen wollte! Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer; darum sind meine Worte noch unbedacht.“ (Hiob 6,2–3)
Diese bildhafte Darstellung vermittelt uns einen Einblick in die Intensität von Hiobs Schmerz. Stellt euch vor, den gesamten Sand des Meeres auf einer Seite der Waage zu haben und Hiobs Kummer und Leiden auf der anderen – und dennoch wiegt Letzteres schwerer als die unzähligen Sandkörner.
Es ist wichtig zu erkennen, dass Hiobs Schmerz ein individuelles Erleben ist. Oft hören wir von weitreichenden Tragödien mit vielen Opfern, sei es durch menschliche Handlungen oder Naturkatastrophen. Die Zahlen der Toten und Verletzten können überwältigend sein. Doch genauso wie Hiob seinen Schmerz allein trug, so erlebt jeder Mensch sein Leiden auf eine persönliche Weise. Der Gedanke einer „Gesamtheit des Leids aller Menschen“ entspricht nicht der Realität. Jeder Mensch erfährt seinen eigenen Schmerz, seine eigene Tragödie.
Selbst gut gemeinte Worte wie „Ich kann deinen Schmerz nachempfinden“ sind begrenzt. Menschen können nur ihren eigenen Schmerz fühlen, der in Reaktion auf das Leiden anderer entsteht. Wir können das individuelle Leiden nicht wirklich teilen oder vollständig verstehen.
Als Christen sind wir aufgerufen, nach Jakobus 1,27 und Matthäus 25,34–40 das Leid anderer zu lindern. Doch trotz des immensen Leids in der Welt dürfen wir dankbar sein, dass kein Mensch mehr leidet, als er ertragen kann, mit einer einzigen Ausnahme.
Reflektieren wir über die Begrenztheit des individuellen Leidens. Wie verändert diese Perspektive deine Sicht auf das schwierige Thema des menschlichen Leids? In der Anerkennung der Einzigartigkeit jedes Schmerzes möge die Empathie für den Einzelnen wachsen.
Barmherziger Gott,
In dieser gemeinsamen Reflexion über Hiobs tiefen Schmerz kommen wir vor dich, der du das individuelle Leid jedes Menschen kennst. Hiob verglich seinen Kummer mit dem Gewicht von Sand am Meer, und wir erkennen die Einzigartigkeit und Intensität seines persönlichen Schmerzes.
Wir bitten dich um Einsicht und Verständnis für die Individualität des Leidens. In einer Welt, die oft von weitreichenden Tragödien erschüttert wird, lass uns die persönlichen Geschichten und den einzigartigen Schmerz jedes Einzelnen nicht übersehen.
Hilf uns, dem begrenzten Verständnis unserer eigenen Schmerzen und der Unmöglichkeit, den Schmerz anderer vollständig zu teilen, mit mehr Achtsamkeit zu begegnen. Lass Empathie für den Einzelnen wachsen, wenn wir uns der Einzigartigkeit jedes Leidens bewusst werden.
Wir danken dir, dass du uns Trost und Ermutigung schenkst, selbst wenn wir die Tiefe des Leids nicht vollständig erfassen können. Möge unsere Reflexion über Hiobs individuellen Kampf im Schmerzmeer unser Mitgefühl stärken und uns dazu bewegen, uns aufmerksamer für die Nöte unserer Mitmenschen zu öffnen.
In Liebe und Verbundenheit beten wir, im Namen deines Sohnes, Jesus Christus. Amen.