đ WENN DIE WELT IHREM ENDE ENTGEGENGEHT
đŻïž Hoffnung, Wachsamkeit und Treue in MatthĂ€us 24â25
Predigt 1 : đȘš Wenn kein Stein auf dem anderen bleibt
Irdische Sicherheiten und das unerschĂŒtterliche Reich Gottes
Haupttext: MatthĂ€us 24,1â3
Leitvers: HebrÀer 12,28
Predigtgedanke: Alles Irdische kann erschĂŒttert werden. Wer jedoch auf Christus und sein Wort baut, gehört zu einem Reich, das niemals untergeht.
BegrĂŒĂung und EinfĂŒhrung
Liebe Gemeinde,
wir beginnen heute unsere Predigtreihe ĂŒber MatthĂ€us 24 und 25. Jesus spricht in diesen beiden Kapiteln ĂŒber die Zukunft Jerusalems, ĂŒber die Entwicklung der Weltgeschichte, ĂŒber Zeichen und TĂ€uschungen, ĂŒber Wachsamkeit und Bereitschaft, ĂŒber Treue und Verantwortung und schlieĂlich ĂŒber seine herrliche Wiederkunft.
Diese Worte Jesu sind ernst, aber sie wurden nicht ausgesprochen, um uns in Angst zu versetzen. Jesus möchte uns nicht zu sensationshungrigen Beobachtern machen, die hinter jeder Schlagzeile das nÀchste prophetische Ereignis vermuten. Er möchte Menschen vorbereiten, die auch dann feststehen, wenn Vertrautes zusammenbricht.
Die Ălbergrede beginnt nicht mit einem fernen Blick in den Himmel, sondern mit dem Blick auf ein GebĂ€ude. Die JĂŒnger zeigen Jesus den Tempel. Sie sehen seine GröĂe, seine Schönheit und seine scheinbare Unzerstörbarkeit. Jesus sieht jedoch bereits den Tag, an dem von dieser Herrlichkeit nur noch TrĂŒmmer ĂŒbrig sein werden.
Bevor wir MatthÀus 24 öffnen, möchte ich uns durch eine erzÀhlerische Illustration in jene Zeit hineinnehmen.
Der Stein in seiner Hand
Die folgende Geschichte ist eine erzÀhlerische Illustration auf der Grundlage der Ereignisse um die Zerstörung Jerusalems.
Der alte Mann stand schweigend auf dem HĂŒgel. Unter ihm lag Jerusalem â oder das, was von Jerusalem ĂŒbrig geblieben war. Dort, wo sich einst mĂ€chtige Mauern erhoben hatten, lagen nun zerbrochene Steine. HĂ€user waren eingestĂŒrzt, Tore verbrannt und ganze StraĂenzĂŒge unter Schutt begraben. Ăber den TrĂŒmmern hing noch immer der Geruch von Rauch.
Am schwersten konnte der alte Mann den Anblick des Tempelberges ertragen. Jahrzehntelang hatte der Tempel ĂŒber der Stadt geleuchtet. Seine weiĂen Marmorsteine hatten das Sonnenlicht zurĂŒckgeworfen. Seine goldenen Verzierungen waren schon von weitem sichtbar gewesen. Pilger waren stehen geblieben, sobald sie ihn erblickten, und hatten voller Ehrfurcht zu Gott gebetet.
Nun war kaum noch etwas davon ĂŒbrig.
Der Mann hieĂ Eliakim. Als junger Mann hatte er selbst am Tempel gearbeitet. Er hatte die gewaltigen Steinblöcke gesehen und mit seinen HĂ€nden ĂŒber ihre glatten FlĂ€chen gestrichen. Damals hatte ein Ă€lterer Baumeister zu ihm gesagt: âSieh dir diese Steine an, Eliakim. Solange diese Mauern stehen, wird Jerusalem niemals untergehen.â
Eliakim hatte ihm geglaubt. Wer hĂ€tte solche Mauern zerstören können? Wer hĂ€tte es gewagt, Gottes Tempel anzutasten? FĂŒr Eliakim war der Tempel mehr als ein GebĂ€ude gewesen. Er war das sichtbare Zeichen dafĂŒr, dass Gott bei seinem Volk wohnte. Solange der Tempel stand, so hatte er gedacht, konnte ihnen nichts geschehen.
Jetzt lag ein Teil dieser scheinbar unzerstörbaren Steine zu seinen FĂŒĂen.
Eliakim beugte sich hinunter und hob ein abgebrochenes StĂŒck weiĂen Marmors auf. Es war schwer. An einer Seite war die OberflĂ€che noch glatt, an der anderen war der Stein vom Feuer geschwĂ€rzt.
Sein Enkel Jonathan, der neben ihm stand, sah zu ihm auf.
âGroĂvaterâ, fragte der Junge leise, âwar das wirklich einmal ein Teil des Tempels?â
Eliakim nickte.
âJa. Vielleicht gehörte dieser Stein zu einer Mauer. Vielleicht zu einer SĂ€ule. Ich weiĂ es nicht.â
Jonathan blickte ĂŒber die zerstörte Stadt.
âDu hast immer gesagt, der Tempel sei das schönste GebĂ€ude der Welt gewesen.â
âDas war er.â
âWarum hat Gott dann zugelassen, dass er zerstört wurde?â
Eliakim antwortete nicht sofort. Die Frage des Jungen traf ihn tief. Es war eine Frage, die auch ihn nicht loslieĂ. Nach einer Weile setzte er sich auf einen gröĂeren Stein. Jonathan nahm neben ihm Platz.
âViele Jahre vor deiner Geburtâ, begann Eliakim, âhörte ich von einem Lehrer aus GalilĂ€a. Er hieĂ Jesus.â
Der Junge kannte diesen Namen. Seine Eltern hatten ihm von Jesus erzÀhlt. Aber er schwieg und hörte aufmerksam zu.
âJesus stand damals mit seinen JĂŒngern vor dem Tempelâ, fuhr Eliakim fort. âDie JĂŒnger zeigten ihm die mĂ€chtigen GebĂ€ude und die gewaltigen Steine. Sie waren genauso beeindruckt wie wir alle.â
Eliakim sah wieder auf die Ruinen.
âAber Jesus sagte etwas, das damals niemand glauben wollte.â
âWas sagte er?â, fragte Jonathan.
Der alte Mann hielt das StĂŒck Marmor in seiner Hand und antwortete:
âSeht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.â
Jonathan sah auf den Stein in der Hand seines GroĂvaters.
âUnd es ist wirklich geschehen.â
âJaâ, sagte Eliakim. âGenau so, wie Jesus es vorhergesagt hatte.â
âHast du ihm damals geglaubt?â
Eliakim senkte den Blick.
âNein. Ich dachte, es sei unmöglich. Ich vertraute auf die Mauern. Ich vertraute auf die GröĂe der Stadt. Ich vertraute auf das, was meine Augen sehen konnten.â
Der Junge wartete, wÀhrend der alte Mann nach Worten suchte.
âEinige Nachfolger Jesuâ, erzĂ€hlte Eliakim weiter, ânahmen seine Warnung ernst. Sie erinnerten sich an seine Worte. Als die römischen Heere kamen und sich spĂ€ter fĂŒr kurze Zeit zurĂŒckzogen, verlieĂen sie die Stadt. Viele Menschen verspotteten sie. Man hielt sie fĂŒr Feiglinge und VerrĂ€ter.â
âAber sie wurden gerettetâ, sagte Jonathan.
âJa. Sie wurden gerettet, weil sie dem Wort Jesu mehr vertrauten als ihren Augen.â
Der Wind strich ĂŒber den HĂŒgel und wirbelte Staub zwischen den zerbrochenen Steinen auf.
Jonathan zeigte auf das MarmorstĂŒck.
âDann war dieser Stein doch nicht so stark, wie die Menschen dachten.â
Eliakim betrachtete ihn lange.
âNein. Er war stark. Aber er war nicht ewig.â
Der alte Mann lieĂ den Stein langsam zu Boden fallen. Dumpf schlug er zwischen den TrĂŒmmern auf.
âDas ist die Lektion, die ich sehr spĂ€t gelernt habe, Jonathan: Alles, was Menschen bauen, kann fallen.â
Er deutete auf die Stadt.
âMauern können fallen. Tempel können zerstört werden. Reiche können untergehen. Besitz kann verloren gehen. Menschen, auf die wir uns verlassen, können uns enttĂ€uschen. Sogar unser eigenes Leben kann sich von einem Tag auf den anderen verĂ€ndern.â
Jonathan rĂŒckte nĂ€her an seinen GroĂvater heran.
âGibt es dann ĂŒberhaupt etwas, das sicher ist?â
Eliakim legte seinen Arm um den Jungen.
âJa. Es gibt einen Felsen, der niemals fĂ€llt.â
âWelchen Felsen?â
âJesus.â
Der alte Mann sah seinem Enkel in die Augen.
âIch habe viele Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Jesus hatte nicht nur die Zerstörung vorhergesagt. Er hatte den Menschen auch gesagt, wo sie Sicherheit finden konnten.â
Eliakim zitierte Worte, die er inzwischen auswendig gelernt hatte:
âJeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stĂŒrmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegrĂŒndet.â
MatthĂ€us 7,24â25
âDie JĂŒnger Jesu wurden also gerettet, weil sie auf den Felsen gebaut hatten?â, fragte Jonathan.
âJa. Sie hörten seine Worte â und sie handelten danach.â
Eliakim schaute noch einmal auf Jerusalem.
âViele Menschen kannten den Tempel. Sie bewunderten seine Steine. Sie nahmen an den Gottesdiensten teil. Aber als Jesus zu ihnen sprach, wollten sie nicht auf ihn hören. Sie vertrauten dem GebĂ€ude mehr als dem Herrn des Tempels.â
Jonathan dachte eine Weile nach.
Dann fragte er:
âGroĂvater, worauf bauen wir unser Haus?â
Der alte Mann lÀchelte traurig, aber in seinen Augen lag Hoffnung.
âNicht auf diese Steineâ, antwortete er und zeigte auf die TrĂŒmmer. âWir bauen auf das Wort Jesu.â
Die beiden saĂen noch lange auf dem HĂŒgel. Vor ihnen lag eine zerstörte Stadt. Hinter ihnen lagen Jahre voller Angst, Flucht und Verlust. Doch inmitten der TrĂŒmmer war etwas entstanden, das kein römisches Heer zerstören konnte: ein Vertrauen, das nicht mehr auf sichtbaren Mauern ruhte.
SchlieĂlich stand Eliakim auf und reichte seinem Enkel die Hand.
âKommâ, sagte er. âWir gehen nach Hause.â
Jonathan sah sich um.
âWo ist denn jetzt unser Zuhause?â
Eliakim blickte zum Himmel.
âDort, wo Christus bei uns ist.â
Dann gingen sie gemeinsam den HĂŒgel hinunter. Hinter ihnen blieb der zerbrochene Marmorstein liegen â ein stummer Zeuge dafĂŒr, dass selbst die mĂ€chtigsten Werke der Menschen vergehen.
Aber die Worte Jesu waren geblieben.
1. Was die JĂŒnger sahen â und was Jesus sah
Diese Geschichte fĂŒhrt uns zu jenem Augenblick zurĂŒck, in dem Jesus mit seinen JĂŒngern den Tempel verlieĂ. Die JĂŒnger sahen gewaltige Steine und eine scheinbar unerschĂŒtterliche Zukunft. Jesus aber sah, was kein Mensch sehen konnte.
Wir lesen MatthĂ€us 24,1â2:
âUnd Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg. Und seine JĂŒnger traten zu ihm, um ihn auf die GebĂ€ude des Tempels aufmerksam zu machen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.â
MatthĂ€us 24,1â2
Markus berichtet, wie beeindruckt die JĂŒnger waren:
âUnd als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner JĂŒnger zu ihm: Lehrer, siehe, was fĂŒr Steine und was fĂŒr GebĂ€ude!â
Markus 13,1
In diesen Worten hören wir echtes Staunen. Der Tempel war das religiöse Zentrum des Volkes, ein nationales Symbol und eines der eindrucksvollsten Bauwerke der damaligen Welt. Einige seiner Steine waren von auĂergewöhnlicher GröĂe. WeiĂer Marmor, goldene Verzierungen und gewaltige Mauern vermittelten den Eindruck, dieses Bauwerk werde fĂŒr immer bestehen.
Doch Jesus lieĂ sich nicht vom Glanz der Fassade blenden. Er sah nicht nur, wie der Tempel in jenem Augenblick aussah. Er sah auch, wohin die geistliche Entwicklung des Volkes fĂŒhren wĂŒrde.
Wenige Augenblicke zuvor hatte er ĂŒber Jerusalem geklagt:
âJerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre KĂŒken unter ihre FlĂŒgel versammelt, und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch wĂŒst gelassen.â
MatthĂ€us 23,37â38
Jesus freute sich nicht ĂŒber das kommende Gericht. Er sprach nicht kalt ĂŒber den Untergang der Stadt. Lukas berichtet:
âUnd als er sich nĂ€herte und die Stadt sah, weinte er ĂŒber sie und sprach: Wenn auch du an diesem Tag erkannt hĂ€ttest, was zu deinem Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen.â
Lukas 19,41â42
Derjenige, der die Zerstörung Jerusalems ankĂŒndigte, weinte ĂŒber Jerusalem. Prophetische VerkĂŒndigung ohne das Herz Jesu wird hart, stolz und kalt. Jesus sprach ĂŒber das Gericht, aber er sprach mit TrĂ€nen. Er warnte, weil er retten wollte.
Ellen White beschreibt den Blick Jesu auf Jerusalem mit den Worten:
âDie MajestĂ€t des Himmels in TrĂ€nen! Der Sohn des ewigen Gottes niedergebeugt von Seelenangst!â
Sie betont, dass Christus nicht nur die Stadt, sondern die Folgen der SĂŒnde und die Leiden der gesamten Menschheit vor sich sah. Ellen G. White, Der groĂe Kampf, Kapitel 1: âDie Zerstörung Jerusalemsâ
Wenn wir ĂŒber MatthĂ€us 24 sprechen, dĂŒrfen wir deshalb nie vergessen, wer hier spricht. Es spricht nicht ein sensationshungriger Prophet, der sich am Untergang der Welt freut. Es spricht der Retter, der ĂŒber eine verlorene Stadt weint.
2. Die Gefahr einer falschen Sicherheit
Warum waren die Worte Jesu fĂŒr die JĂŒnger so erschĂŒtternd? Weil der Tempel fĂŒr sie nicht nur ein GebĂ€ude war. Er war Teil ihrer geistlichen Sicherheit.
Die Menschen glaubten: Hier steht Gottes Haus; deshalb kann Jerusalem nichts geschehen. Ein Àhnliches Denken hatte es schon zur Zeit Jeremias gegeben. Damals sagte Gott:
âVerlasst euch nicht auf LĂŒgenworte, wenn sie sagen: Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies! Sondern bessert ernstlich eure Wege und eure Taten.â
Jeremia 7,4â5
Das Volk vertraute auf den Tempel, wÀhrend es Gottes Willen missachtete. Es behandelte das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes wie eine Garantie, die unabhÀngig vom eigenen VerhÀltnis zu Gott gelten sollte.
Doch ein heiliges GebĂ€ude kann keinen unheiligen Lebensstil schĂŒtzen. Eine religiöse Tradition kann keine lebendige Beziehung zu Gott ersetzen. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde ist wertvoll, aber sie rettet uns nicht ohne Christus. Die Kenntnis prophetischer Wahrheit ist ein Geschenk, aber sie kann nicht den persönlichen Gehorsam ersetzen.
Jesus sagte zu den religiösen FĂŒhrern:
âIhr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.â
Johannes 5,39â40
Sie kannten die Schriften, aber sie verwarfen denjenigen, auf den die Schriften hinwiesen. Sie liebten den Tempel, aber sie lehnten den Herrn des Tempels ab.
Auch wir können uns auf Dinge verlassen, die gut und wertvoll sind, aber nicht unser Fundament sein dĂŒrfen. Wir können uns auf unsere Gemeindetradition, unsere Bibelkenntnis, unsere Erfahrung, unsere Stellung, unsere Familie oder unsere bisherige Treue stĂŒtzen. Doch Paulus warnt:
âDaher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle.â
1. Korinther 10,12
Unsere Sicherheit liegt nicht darin, dass wir schon lange glauben. Sie liegt nicht darin, dass wir viele Predigten gehört oder prophetische ZusammenhÀnge verstanden haben. Unsere Sicherheit liegt allein in Christus.
Paulus schreibt:
âEinen anderen Grund kann niemand legen auĂer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.â
1. Korinther 3,11
Alles andere kann erschĂŒttert werden. Christus bleibt.
3. Gott wohnt nicht in Steinen, sondern bei seinem Volk
Der Tempel hatte eine von Gott gegebene Bedeutung. Er erinnerte Israel an Gottes Gegenwart, an das Opfer, an Vergebung und an den kommenden Messias. Doch der Tempel war nie als Ersatz fĂŒr Gott gedacht.
Salomo erkannte schon bei der Einweihung des ersten Tempels:
âAber sollte Gott wirklich bei den Menschen auf der Erde wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe!â
2. Chronik 6,18
Gott lieà seine Herrlichkeit im Tempel sichtbar werden, aber er war nicht in ein GebÀude eingeschlossen. Als Jesus kam, stand der wahre Tempel Gottes mitten unter dem Volk.
Johannes schreibt:
âUnd das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.â
Johannes 1,14
Jesus sagte ĂŒber sich selbst:
âBrecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.â
Johannes 2,19
Johannes erklÀrt:
âEr aber sprach von dem Tempel seines Leibes.â
Johannes 2,21
Der irdische Tempel konnte zerstört werden. Christus wurde gekreuzigt, aber am dritten Tag stand er aus dem Grab auf. Damit zeigte Gott: Seine Gegenwart, sein Erlösungsplan und sein Reich sind nicht von einem menschlichen GebÀude abhÀngig.
Nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu wurde die Gemeinde zum Tempel des Heiligen Geistes. Paulus schreibt:
âWisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?â
1. Korinther 3,16
Und Petrus sagt:
âLasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus.â
1. Petrus 2,5
Gottes Werk hĂ€ngt nicht an Marmorsteinen. Seine Gemeinde besteht aus lebendigen Steinen â aus Menschen, in denen Christus wohnt.
KirchengebĂ€ude können geschlossen, beschĂ€digt oder zerstört werden. Institutionen können erschĂŒttert werden. Strukturen können sich verĂ€ndern. Aber solange Menschen an Christus festhalten, beten, sein Wort verkĂŒndigen und einander dienen, lebt die Gemeinde Gottes.
Jesus sagt:
âDenn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.â
MatthÀus 18,20
Der wahre Reichtum einer Gemeinde besteht deshalb nicht zuerst in ihrem GebĂ€ude, ihrer Technik, ihrem Programm oder ihrer gesellschaftlichen Stellung. Ihr gröĂter Schatz ist die Gegenwart Jesu.
4. Was geschieht, wenn unsere Sicherheiten fallen?
Die Worte Jesu ĂŒber den Tempel stellen auch uns eine persönliche Frage: Was geschieht mit unserem Glauben, wenn das, worauf wir uns verlassen haben, plötzlich zusammenbricht?
Manche Menschen bauen ihre Sicherheit auf Besitz. Jesus erzĂ€hlt von einem reichen Mann, dessen Felder groĂe ErtrĂ€ge gebracht hatten. Dieser Mann sagte:
âIch will meine Scheunen abbrechen und gröĂere bauen und will dort all mein Getreide und meine GĂŒter sammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele GĂŒter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich!â
Lukas 12,18â19
Aber Gott antwortete:
âDu Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, fĂŒr wen wird es sein?â
Lukas 12,20
Das Problem des Mannes war nicht, dass seine Felder gut getragen hatten. Sein Problem war, dass sein Besitz zu seinem Fundament geworden war. Seine Scheunen waren voll, aber seine Seele war leer.
Andere bauen auf ihre Gesundheit. Doch eine einzige Diagnose kann das ganze Leben verĂ€ndern. Manche bauen auf ihren Beruf, bis eine KĂŒndigung ihre IdentitĂ€t erschĂŒttert. Manche bauen auf menschliche Beziehungen, bis sie enttĂ€uscht oder verlassen werden. Andere bauen auf politische StabilitĂ€t, wirtschaftlichen Fortschritt oder die vermeintliche Sicherheit ihrer Gesellschaft.
Die Bibel verbietet uns nicht, verantwortlich zu planen. Sie warnt uns jedoch davor, vergÀngliche Dinge zu unserem letzten Halt zu machen.
David schreibt:
âDie einen gedenken an Wagen und die anderen an Rosse; wir aber gedenken an den Namen des HERRN, unseres Gottes. Jene krĂŒmmen sich und fallen; wir aber stehen und halten uns aufrecht.â
Psalm 20,8â9
Und der Prophet Jeremia sagt:
âVerflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz vom HERRN weicht! Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN vertraut und dessen Vertrauen der HERR ist!â
Jeremia 17,5.7
Es ist möglich, dass Gott bestimmte Sicherheiten erschĂŒttern muss, damit wir erkennen, worauf wir tatsĂ€chlich gebaut haben. Das bedeutet nicht, dass jedes Leid eine direkte Strafe Gottes ist. Aber Gott kann selbst schwere Erfahrungen dazu gebrauchen, uns nĂ€her zu sich zu ziehen.
Paulus berichtet von einer solchen Erfahrung:
âDenn wir wollen euch nicht in Unkenntnis lassen, BrĂŒder, ĂŒber unsere BedrĂ€ngnis, die uns in Asia widerfahren ist, dass wir ĂŒbermĂ€Ăig beschwert wurden, ĂŒber Vermögen, sodass wir sogar am Leben verzweifelten. Wir selbst aber hatten in uns selbst schon das Urteil des Todes erhalten, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.â
2. Korinther 1,8â9
Paulus kam an das Ende seiner eigenen Kraft. Dort lernte er, nicht auf sich selbst, sondern auf den Gott zu vertrauen, der Tote auferweckt.
Vielleicht fragst du dich heute: Warum hat Gott zugelassen, dass etwas in meinem Leben zusammengebrochen ist? Warum ist eine TĂŒr geschlossen worden? Warum hat eine Beziehung nicht gehalten? Warum ist eine Hoffnung zerbrochen?
Wir werden nicht auf jede Frage sofort eine Antwort erhalten. Aber wir dĂŒrfen wissen: Wenn unsere sichtbaren Sicherheiten fallen, fĂ€llt Christus nicht.
5. Das Haus auf dem Felsen
Am Ende der Bergpredigt erzÀhlt Jesus von zwei MÀnnern. Beide bauten ein Haus. Beide erlebten denselben Sturm. Der entscheidende Unterschied lag nicht in der Schönheit des Hauses, sondern in seinem Fundament.
Jesus sagt:
âJeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stĂŒrmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegrĂŒndet.â
MatthĂ€us 7,24â25
Dann beschreibt Jesus das zweite Haus:
âUnd jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird mit einem törichten Mann zu vergleichen sein, der sein Haus auf den Sand baute. Und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stieĂen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war groĂ.â
MatthĂ€us 7,26â27
Beide MÀnner hörten die Worte Jesu. Der Unterschied bestand nicht zwischen einem Bibelkenner und einem Menschen, der nie etwas von Gott gehört hatte. Beide hörten. Aber nur einer handelte danach.
Auf Christus zu bauen bedeutet deshalb mehr, als richtigen Lehren intellektuell zuzustimmen. Es bedeutet, seinem Wort zu gehorchen.
Wenn Jesus sagt: âVergibâ, dann baue ich auf den Felsen, indem ich vergebe.
Wenn Jesus sagt: âSucht zuerst Gottes Reichâ, dann baue ich auf den Felsen, indem ich meine PrioritĂ€ten neu ordne.
Wenn Jesus sagt: âLiebt eure Feindeâ, dann baue ich auf den Felsen, indem ich nicht Hass und Rache pflege.
Wenn Gott sagt: âGedenke des Sabbattages, ihn zu heiligenâ, dann baue ich auf den Felsen, indem ich seinem Gebot vertraue.
Wenn Jesus sagt: âWachtâ, dann baue ich auf den Felsen, indem ich geistlich wach bleibe.
Der Sturm zeigt nicht erst, welches Fundament wir brauchen. Er offenbart, welches Fundament wir bereits gewÀhlt haben. Darum beginnt die Vorbereitung auf kommende Krisen nicht erst dann, wenn die Krise da ist. Sie beginnt heute in den scheinbar kleinen Entscheidungen des Glaubens.
âWer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu.â
Lukas 16,10
6. Ein Reich, das nicht erschĂŒttert werden kann
Die Zerstörung Jerusalems zeigt uns, dass selbst beeindruckende religiöse und politische Systeme fallen können. Doch die Bibel spricht von einem Reich, das niemals untergehen wird.
Daniel sah in einer Vision die aufeinanderfolgenden Reiche der Weltgeschichte. Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom kamen und gingen. Dann sah er ein anderes Reich:
âUnd in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das ewig nicht zerstört werden wird. Und das Königreich wird keinem anderen Volk ĂŒberlassen werden; es wird all jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber wird es ewig bestehen.â
Daniel 2,44
Die Reiche dieser Welt entstehen, erreichen den Höhepunkt ihrer Macht und verschwinden. Grenzen verÀndern sich, Regierungen wechseln, Systeme brechen zusammen. Das Reich Gottes jedoch bleibt.
HebrĂ€er 12 beschreibt eine letzte groĂe ErschĂŒtterung:
âDessen Stimme erschĂŒtterte damals die Erde; jetzt aber hat er verheiĂen und gesagt: Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel. Aber das ânoch einmalâ deutet die Verwandlung der Dinge an, die als geschaffene erschĂŒttert werden, damit die unerschĂŒtterlichen bleiben.â
HebrĂ€er 12,26â27
Dann folgt unser Leitvers:
âDeshalb lasst uns, da wir ein unerschĂŒtterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefĂ€llig dienen mit Scheu und Furcht!â
HebrÀer 12,28
Wir empfangen ein unerschĂŒtterliches Reich. Das bedeutet nicht, dass wir als Christen keine ErschĂŒtterungen erleben. Es bedeutet, dass die ErschĂŒtterungen nicht unser letztes Wort sind.
Paulus schreibt:
âWir sind in allem bedrĂ€ngt, aber nicht erdrĂŒckt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht vernichtet.â
2. Korinther 4,8â9
Warum werden wir nicht vernichtet? Weil unser Leben in Christus verborgen ist.
âDenn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.â
Kolosser 3,3
Unser Eigentum kann verloren gehen, aber unser Erbe im Himmel bleibt. Unser Körper kann schwach werden, aber der innere Mensch kann erneuert werden. Menschen können uns ablehnen, aber Christus verlÀsst uns nicht. Selbst der Tod kann uns nicht von seiner Liebe trennen.
âDenn ich bin ĂŒberzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder GegenwĂ€rtiges noch ZukĂŒnftiges, noch MĂ€chte, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.â
Römer 8,38â39
Das ist die Sicherheit des Christen. Nicht die Abwesenheit von ErschĂŒtterungen, sondern die unzerstörbare Gegenwart Christi.
7. Von der Zerstörung Jerusalems zum Ende der Welt
Nachdem Jesus die Zerstörung des Tempels angekĂŒndigt hatte, gingen die JĂŒnger mit ihm auf den Ălberg.
âAls er aber auf dem Ălberg saĂ, traten seine JĂŒnger fĂŒr sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?â
MatthÀus 24,3
In ihrer Frage verbanden sie die Zerstörung Jerusalems mit der Wiederkunft Jesu und dem Ende der Welt. Jesus beantwortete ihre Frage so, dass seine Worte sowohl die damaligen Ereignisse als auch die Entwicklung bis zum Ende der Welt umfassten.
Ellen White erklÀrt:
âDie von ihm ausgesprochene Prophezeiung galt einem doppelten Geschehen.â
Sie bezog sich auf die Zerstörung Jerusalems und wies zugleich auf die Ereignisse vor der Wiederkunft hin. Ellen G. White, Der groĂe Kampf, Kapitel 1
Jerusalem wurde damit zu einem warnenden Beispiel. Die Stadt besaĂ groĂe religiöse Vorrechte, aber ihre Bewohner verwarfen die Stimme Jesu. Sie hatten den Tempel, aber sie lehnten den Messias ab. Sie hielten an den Ă€uĂeren Formen fest, wĂ€hrend sie den inneren Ruf zur Umkehr zurĂŒckwiesen.
Auch vor dem Ende der Welt werden Menschen sichtbaren Sicherheiten mehr vertrauen als dem Wort Gottes. Jesus warnt:
âDenn wie sie in den Tagen vor der Flut waren: Sie aĂen und tranken, sie heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging, und sie erkannten es nicht, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.â
MatthĂ€us 24,38â39
Essen, Trinken und Heiraten waren nicht sĂŒndig. Das Problem war, dass die Menschen vollstĂ€ndig in ihrem Alltag aufgingen und Gottes Warnung ignorierten. Sie lebten, als wĂŒrde die gegenwĂ€rtige Welt fĂŒr immer bestehen.
Petrus erinnert uns:
âEs ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid nun besonnen und seid nĂŒchtern zum Gebet!â
1. Petrus 4,7
Die richtige Reaktion auf prophetische Erkenntnis ist nicht Panik, sondern NĂŒchternheit und Gebet. Paulus sagt:
âAlso lasst uns nun nicht schlafen wie die Ăbrigen, sondern wachen und nĂŒchtern sein!â
1. Thessalonicher 5,6
MatthÀus 24 soll uns nicht dazu bringen, stÀndig Àngstlich auf die Welt zu schauen. Es soll uns dazu bewegen, treuer auf Jesus zu schauen.
8. Wir erwarten nicht nur ein Ereignis â wir erwarten unseren Herrn
Die christliche Hoffnung richtet sich nicht nur auf das Ende einer alten Welt. Sie richtet sich auf die Wiederkunft einer Person.
Jesus sagt:
âUnd wenn ich hingehe und euch eine StĂ€tte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.â
Johannes 14,3
Beachten wir die persönliche Sprache Jesu: âIch komme wieder. Ich werde euch zu mir nehmen. Ihr sollt sein, wo ich bin.â
Wir warten nicht nur darauf, dass sich eine prophetische Tabelle erfĂŒllt. Wir warten auf Jesus.
Wir erwarten nicht nur ein Ereignis. Wir erwarten unseren Herrn.
Paulus schreibt:
âDenn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die ĂŒbrig bleiben, zugleich mit ihnen entrĂŒckt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.â
1. Thessalonicher 4,16â17
Der Mittelpunkt dieses Textes lautet nicht: Posaune, Wolken oder dramatische Ereignisse. Sein Mittelpunkt lautet:
âSo werden wir allezeit beim Herrn sein.â
Das ist unsere Hoffnung. Jesus kommt, um die Seinen zu sich zu nehmen.
MatthĂ€us 24 beschreibt ErschĂŒtterungen, Kriege, Hungersnöte, Verfolgung und VerfĂŒhrung. Doch das Kapitel endet nicht in der Finsternis. Jesus sagt:
âUnd sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit groĂer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine AuserwĂ€hlten versammeln von den vier Winden her.â
MatthĂ€us 24,30â31
Die Weltgeschichte lÀuft nicht auf das Chaos zu, sondern auf die Wiederkunft des Königs. Das Böse wird nicht das letzte Wort haben. Christus wird kommen, die Toten auferwecken, sein Volk sammeln und sein ewiges Reich sichtbar aufrichten.
Darum sagt Jesus:
âWenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure HĂ€upter empor, weil eure Erlösung naht.â
Lukas 21,28
9. Was bleibt, wenn alles andere fÀllt?
Liebe Gemeinde, vielleicht halten auch wir bestimmte Dinge fĂŒr unerschĂŒtterlich. Unsere HĂ€user, unsere Ersparnisse, unsere Gesundheit, unsere berufliche Stellung, unsere gesellschaftliche Ordnung oder sogar unsere religiösen Einrichtungen.
Wir betrachten sie und denken: Das wird bleiben.
Doch Jesus fragt uns heute nicht, wie eindrucksvoll unser Haus aussieht. Er fragt, auf welchem Fundament es steht.
Was bleibt, wenn Besitz verloren geht?
Was bleibt, wenn Gesundheit schwindet?
Was bleibt, wenn Menschen uns enttÀuschen?
Was bleibt, wenn vertraute Strukturen zerbrechen?
Was bleibt, wenn kein Stein auf dem anderen bleibt?
David antwortet:
âGott ist uns Zuflucht und StĂ€rke, als Hilfe in Nöten reichlich gefunden. Darum fĂŒrchten wir uns nicht, wenn auch die Erde erbebt und die Berge mitten ins Meer wanken.â
Psalm 46,2â3
Und Jesaja sagt:
âVertraut auf den HERRN fĂŒr immer! Denn in Jah, dem HERRN, ist ein Fels der Ewigkeiten.â
Jesaja 26,4
Christus ist dieser ewige Fels. Er war da, bevor der erste Stein des Tempels gelegt wurde. Er blieb, nachdem der letzte Stein gefallen war. Er war da, bevor die Reiche dieser Welt entstanden. Und er wird regieren, wenn sie alle vergangen sind.
âJesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.â
HebrÀer 13,8
Die Frage dieser ersten Predigt lautet deshalb nicht: Wann wird die nÀchste Krise kommen? Die tiefere Frage lautet:
Worauf ist mein Leben gebaut?
10. Wie bauen wir heute auf den Felsen?
Auf Christus zu bauen ist keine einmalige emotionale Entscheidung ohne Folgen fĂŒr den Alltag. Es ist ein Leben des bestĂ€ndigen Vertrauens und Gehorsams.
Wir bauen auf den Felsen, indem wir Gottes Wort nicht nur lesen, sondern danach handeln:
âSeid aber TĂ€ter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrĂŒgen!â
Jakobus 1,22
Wir bauen auf den Felsen, indem wir im Gebet mit Christus verbunden bleiben:
âWacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!â
MatthÀus 26,41
Wir bauen auf den Felsen, indem wir unsere SĂŒnden bekennen und nicht verbergen:
âWenn wir unsere SĂŒnden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die SĂŒnden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.â
1. Johannes 1,9
Wir bauen auf den Felsen, indem wir Gottes Reich an die erste Stelle setzen:
âTrachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefĂŒgt werden.â
MatthÀus 6,33
Wir bauen auf den Felsen, indem wir in der Liebe bleiben:
âDaran werden alle erkennen, dass ihr meine JĂŒnger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.â
Johannes 13,35
Und wir bauen auf den Felsen, indem wir unsere Hoffnung nicht an diese Welt binden:
âDenn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukĂŒnftige suchen wir.â
HebrÀer 13,14
Das bedeutet nicht, dass wir unsere irdischen Aufgaben vernachlĂ€ssigen. Gerade weil wir auf das kommende Reich warten, sollen wir heute treu arbeiten, Menschen lieben, Verantwortung ĂŒbernehmen und das Evangelium verkĂŒndigen.
Jesus verbindet MatthĂ€us 24 unmittelbar mit MatthĂ€us 25. Auf die Aufforderung zur Wachsamkeit folgen die Gleichnisse von den zehn Jungfrauen, den anvertrauten Talenten und dem Gericht ĂŒber die Völker. Bereits hier wird deutlich: Bereit sein heiĂt nicht, untĂ€tig auf den Himmel zu schauen. Bereit sein heiĂt, mit brennender Lampe zu warten, die anvertrauten Gaben einzusetzen und Christus in den BedĂŒrftigen zu dienen.
Schluss: Der Stein fĂ€llt â das Wort bleibt
Kehren wir noch einmal zu Eliakim und seinem Enkel zurĂŒck. Der alte Mann hielt einen Stein des Tempels in der Hand. Dieser Stein hatte einmal zu einem GebĂ€ude gehört, das unzerstörbar schien.
Dann lieĂ Eliakim ihn fallen.
Der Stein blieb zwischen den TrĂŒmmern liegen. Aber die Worte Jesu hatten sich erfĂŒllt und waren geblieben.
Jesus sagt:
âDer Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.â
MatthÀus 24,35
Der Tempel verging. Das Wort Jesu blieb.
Jerusalem wurde erschĂŒttert. Das Wort Jesu blieb.
Reiche stiegen auf und fielen. Das Wort Jesu blieb.
Auch Himmel und Erde werden vergehen. Das Wort Jesu bleibt.
Wenn unser Leben auf diesem Wort gegrĂŒndet ist, besitzen wir eine Hoffnung, die keine Krise zerstören kann.
Vielleicht ist in deinem Leben bereits etwas gefallen, das du fĂŒr unerschĂŒtterlich gehalten hast. Vielleicht stehst du vor den TrĂŒmmern einer Hoffnung, einer Beziehung, eines Planes oder eines Lebensabschnittes. Dann sagt Jesus nicht: âTu so, als wĂ€re nichts geschehen.â Er lĂ€dt dich ein, mitten in den TrĂŒmmern einen neuen Grund zu finden.
Nicht den Stein in deiner Hand.
Nicht das, was du selbst aufgebaut hast.
Nicht deine eigene Kraft.
Sondern Christus.
âDenn einen anderen Grund kann niemand legen auĂer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.â
1. Korinther 3,11
Aufruf
Ich möchte heute drei Fragen stellen.
Die erste lautet:
Gibt es in meinem Leben etwas, dem ich mehr vertraue als Jesus?
Vielleicht ist es Besitz, Gesundheit, Erfolg, ein Mensch, eine religiöse Tradition oder die eigene Erfahrung.
Die zweite Frage lautet:
Höre ich die Worte Jesu nur, oder handle ich auch danach?
Das Haus auf dem Felsen wird nicht von demjenigen gebaut, der Jesu Worte nur kennt, sondern von demjenigen, der sie hört und tut.
Die dritte Frage lautet:
Bin ich bereit, meine Zukunft vollstÀndig in die HÀnde Christi zu legen?
Vielleicht weiĂt du nicht, welche ErschĂŒtterungen noch kommen werden. Aber du kannst heute wissen, wer dich durch sie hindurchtragen wird.
Wenn du sagen möchtest: âHerr Jesus, ich möchte mein Leben neu auf dich bauenâ, dann mache diesen Entschluss jetzt in deinem Herzen fest.
Wenn du erkennst, dass etwas anderes zu deinem Fundament geworden ist, dann bringe es Jesus.
Und wenn du gerade vor den TrĂŒmmern einer zerbrochenen Hoffnung stehst, dann sage ihm:
âHerr, ich verstehe meinen Weg nicht. Aber ich vertraue dir. Du bist mein Fels.â
Schlussgebet
Herr Jesus Christus,
wir danken dir, dass du derselbe bist gestern, heute und in Ewigkeit. Himmel und Erde werden vergehen, aber deine Worte werden niemals vergehen.
Vergib uns, wenn wir unsere Sicherheit in Dingen gesucht haben, die nicht bleiben können. Vergib uns, wenn Besitz, Gesundheit, Menschen, Traditionen oder unsere eigene Kraft wichtiger geworden sind als du.
Lehre uns, unser Leben auf den Felsen zu bauen. Hilf uns, dein Wort nicht nur zu hören, sondern danach zu handeln. Schenke uns einen Glauben, der nicht nur in ruhigen Zeiten besteht, sondern auch dann, wenn StĂŒrme kommen und vertraute Sicherheiten fallen.
Wir bitten dich fĂŒr alle, die heute vor den TrĂŒmmern einer Hoffnung stehen. Sei den Trauernden nahe, stĂ€rke die Kranken, tröste die Einsamen und schenke denen neue Hoffnung, die keinen Weg mehr sehen.
Bewahre deine Gemeinde vor falscher Sicherheit. Lass uns nicht nur eine Ă€uĂere Form der Frömmigkeit besitzen, sondern eine lebendige Beziehung zu dir. ErfĂŒlle uns mit deinem Heiligen Geist und mache uns zu lebendigen Steinen in deinem geistlichen Haus.
Bereite uns auf deine Wiederkunft vor. Lass uns wachsam sein, ohne Angst zu haben; nĂŒchtern, ohne kalt zu werden; treu, ohne stolz zu sein; und hoffnungsvoll, weil du wiederkommst.
Herr, wenn alles andere erschĂŒttert wird, halte uns fest. Wenn kein Stein auf dem anderen bleibt, lass uns auf dem ewigen Felsen stehen.
Denn wir erwarten nicht nur ein Ereignis.
Wir erwarten dich, unseren Herrn.
In deinem Namen beten wir.
Amen.
